Straßenränder werden zu blühenden Lebensräumen
Der Rhein-Neckar-Kreis informiert
Wo früher entlang vieler Straßen vor allem eintönige Grasflächen dominierten, blüht heute an zahlreichen Stellen wieder die Vielfalt: Margeriten, Wiesensalbei, Kuckuckslichtnelken oder Wiesen-Flockenblumen sorgen inzwischen an Straßenrändern im Rhein-Neckar-Kreis nicht nur für mehr Farbe, sondern bieten auch wichtigen Lebensraum und Nahrung für Insekten. Möglich macht dies ein Förderprogramm des Landes zur Aufwertung des Straßenbegleitgrüns, an dem sich das Amt für Straßen- und Radwegebau des Rhein-Neckar-Kreises seit 2018 beteiligt.
Auf mittlerweile mehr als 70 Einzelflächen an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im gesamten Kreisgebiet wird seither daran gearbeitet, durch Aushagerung – also das regelmäßige Mähen und Entfernen des Schnittguts – sowie die Einsaat insektenfreundlicher Blühmischungen eintöniges Straßenbegleitgrün in blühende Landschaften zu verwandeln.
Inzwischen werden insgesamt über 20 Hektar naturnah gepflegt. Unterstützt werden die Mitarbeitenden der drei Straßenmeistereien in Neckarbischofsheim/Eberbach, Wiesloch und Weinheim dabei von ortsansässigen Landwirten, die über den Maschinenring Kraichgau-Rhein-Neckar organisiert sind. Gerade das Mähen, das Zusammenrechen des Schnittguts sowie dessen Pressen und Abtransport lassen sich auf gut zugänglichen Flächen mit landwirtschaftlichem Gerät besonders effizient umsetzen. Kleinere Parzellen oder unzugängliches Gelände müssen dagegen weiterhin händisch von den Straßenwärtern bearbeitet werden. Geplant und organisiert werden die Arbeiten jeweils von den Straßenmeistern der zuständigen Straßenmeisterei.
Deutlich bessere Lebensbedingungen für Insekten
Doch der Aufwand lohnt sich: Wer dieser Tage mit offenen Augen an den Straßen im Rhein-Neckar-Kreis unterwegs ist, kann die Veränderungen deutlich erkennen. Ob an der B 38 bei Weinheim, der L 531 bei Dossenheim, der B 3 im Bereich Wiesloch oder an der L 549/K 4181 bei Eschelbronn – vielerorts lässt sich inzwischen ein deutliches Mehr an Blütenvielfalt feststellen. „Wir sehen inzwischen an vielen Standorten ganz konkret, dass sich die angepasste Pflege auszahlt. Dort, wo früher fast ausschließlich Grasflächen waren, entstehen heute wieder artenreiche Blühflächen mit deutlich mehr Nahrung für Insekten“, erklärt Matthias Knörzer, Betriebsdienstleiter der drei Straßenmeistereien im Rhein-Neckar-Kreis.
Besonders erfolgreich war die Entwicklung dort, wo im Herbst Blumensamen streifenweise in bestehende Grasflächen eingesät wurden. Wo lediglich ausgehagert wird, braucht die Entwicklung deutlich mehr Zeit. Dass dort bislang weniger Veränderungen sichtbar sind, war allerdings erwartet worden. Darüber hinaus versuchen die Mitarbeitenden der Straßenmeistereien auch die Regelpflege anzupassen. Auf mageren Standorten wird der Mahdzeitpunkt teilweise nach hinten verlegt, damit sich die Pflanzen selbst wieder aussäen können. An einzelnen Stellen kann sogar ganz auf eine Mahd verzichtet werden. Neben dem ökologischen Mehrwert spart dies auch Arbeitszeit und Kosten.
Ein starres Pflegeschema gibt es dabei jedoch nicht: Vielmehr erfordert die Pflege der Flächen ein ständiges Abwägen und Mitdenken – insbesondere von den Fahrern der Mähgeräte. Denn gut mit Nährstoffen versorgte Flächen müssen weiterhin regelmäßig gemäht werden, da sonst Brombeeren und Gehölzaufwuchs schnell die Oberhand gewinnen würden. „Das Förderprogramm erzielt auf vielen Flächen die erhoffte Wirkung und soll in den kommenden Jahren weiterentwickelt werden. Mein besonderer Dank gilt den Mitarbeitenden unserer Straßenmeistereien sowie den beteiligten Landwirten für ihren engagierten Einsatz bei der Umsetzung der Maßnahmen“, betont der im Landratsamt für Mobilität und Technik zuständige Dezernent Dr. Christopher Leo.
