Ziegen zupfen Blätter für den Waldnaturschutz bei ForstBW (26.9.22)

Rubrik:

Forst BW

Herausgeber:

Gemeinde Oftersheim - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Ziegen (Foto: ForstBW)

Ziegen (Foto: ForstBW)

Weideauftrieb im neuen ForstBW Waldweideprojekt in der Schwetzinger Hardt


Seit letzter Woche grasen, zupfen und knabbern knapp 140 Ziegen, Schafe und Rinder für den Naturschutz auf der neuen Waldweide von ForstBW. Die Tiere betreiben für mehrere Wochen Landschaftspflege auf der gut 18 Hektar großen, umzäunten Fläche in der Nähe des Hockenheimrings. Sie reichern durch ihren Fraß die Strukturvielfalt im Wald an und fördern so die Biodiversität. Seit Jahresbeginn arbeitet der Forstbezirk Hardtwald im Rahmen der Lichtwaldkonzeption für die Schwetzinger Hardt an der Umsetzung der modernen Waldweide. Das Projekt wird wissenschaftlich betreut von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg (FVA).
„Durch den Fraß, das Scharren und das Wälzen der Weidetiere entstehen Kleinsthabitate für seltene Arten im Wald“, erklärt Julia Glaser, Projektbetreuerin bei ForstBW. „An die Beweidung ist unsere Kulturlandschaft, zu der auch der Wald gehört, seit Jahrhunderten gewöhnt“, weiß Dr. Mattias Rupp, FVA, und fügt hinzu: „Die Weidetiere sorgen für mosaikartige Übergangsstrukturen zwischen Offenland und Wald, die heutzutage selten geworden sind. Auf genau diese halboffene Landschaft sind aber seltene Arten angewiesen“. Auf der Waldweide Schönhaus in der Schwetzinger Hardt sollen so Habitatstrukturen für den Ziegenmelker, die Heidelerche, Laufkäferarten, Schmetterlinge, Fledermäuse und Orchideen gefördert werden. Auch Arten der Sandrasen wie das Silbergras oder die Sandstrohblume können von der Beweidung profitieren.
Früher wurden Tiere auf Weiden in den Wald getrieben, um sie zu dort ernähren. Die Bauern praktizierten dies bis zum 19. Jahrhundert, bevor die Stallhaltung den Eintrieb in den Wald ablöste. Seither haben es Arten schwer, die an die beweidete Landschaft angepasst sind. Tagfalter wie das Wald-Wiesenvögelchen benötigen etwa einen lichten, halboffenen Waldlebensraum – doch nur knapp 2% der Wälder Baden-Württembergs sind Lichtwälder. Im Rahmen der 2016 erarbeiteten Lichtwaldkonzeption für die Schwetzinger Hardt sollen lichtliebende Tier- und Pflanzenarten dort durch verschiedene Instrumente – wie die Waldweide – auf 20% der Schonwaldfläche gefördert werden.

Die auf die Waldweide Schönhaus getriebene Herde besteht aus 87 Buren-Ziegen, 50 Schafen und 8 Rindern. Sie bleibt dieses Jahr für etwa zwei bis drei Wochen auf der umzäunten Waldweide und kommt in den nächsten Jahren für zwei bis drei Stoßbeweidungen pro Jahr zurück. Durch dieses gezielte und durchdachte Weidemanagement wird die Beweidung so gesteuert, wie sie den gewünschten Tier- und Pflanzenarten am besten hilft. Im regelmäßigen Monitoring wird die Wirkung der Weidetiere auf den Wald genau beobachtet und dokumentiert. Langfristig soll die Waldweide auf 60 Hektar erweitert werden.
Die Waldweide befindet sich östlich des Hockenheimrings an der ehemaligen Ostkurve/Naturtribüne (Speyerer Weg). Sie lässt sich ausgehend vom Waldparkplatz in der Continentalstraße am Hockenheimring in zwei Kilometern Entfernung erreichen (über Grenzweg, Amiweg, Ketscher Weg und Speyerer Weg). Die Weidetiere dürfen von Waldweidebesuchern nicht gefüttert werden. Ihre Verdauung ist auf die Futterpflanzen der Waldweide angepasst. Andere Nahrung kann tödlich für sie sein.