Kreisforstamt beginnt Anfang Juli mit Bodenschutzkalkungen
Für gesunde Waldböden und stabile Wälder
Das Kreisforstamt setzt auch im Jahr 2026 seine Bodenschutzkalkungen fort. Ab dem 6. Juli wird über dem unteren und oberen Stadtwald von Neckargemünd ein Helikopter zu beobachten sein, der im Rahmen einer Bodenschutzkalkung Kalk auf Waldflächen verteilt. Ausgebracht wird Dolomit (ein Kalzium-Magnesium-Gemisch) und in besonders versauerten Bereichen ein Dolomit-Holzasche-Gemisch, das dem Wald zusätzlich benötigte Nährstoffe wie Phosphor und Kalium liefert, teilt das Kreisforstamt mit.
Der Helikopter verteilt das Material gleichmäßig und umweltverträglich, ein Teil bleibt in den Kronen der Bäume hängen und gelangt im Laufe der Zeit in den Boden. Die Ausbringungsmenge beträgt 3 bis 4 Tonnen pro Hektar, also etwa 300 bis 400 Gramm pro Quadratmeter. Nach dem Start in Neckargemünd werden anschließend Waldflächen in Bammental, Gaiberg und Lobbach-Waldwimmersbach behandelt. Sofern die Witterung mitspielt und keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, sollte die Maßnahme bis Ende Juli abgeschlossen sein.
Solange der Helikopter im Einsatz ist, werden einzelne Waldbereiche aus Sicherheitsgründen zeitweise gesperrt. Waldbesuchende werden gebeten, die Sperrhinweise unbedingt zu beachten. Vorübergehend kann es zudem zu einer leichten Staubentwicklung kommen. Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen durch das Kalkmaterial ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht zu erwarten. Bereits der nächste Regenschauer wird den Kalkstaub in den Boden einwaschen.
Die bundesweite Bodenzustandserhebung hat gezeigt, dass eine gezielte Kalkung von Waldflächen die vom Menschen verursachte Versauerung der Waldböden abmildert. Eine regenerationsorientierte Bodenschutzkalkung trägt somit dazu bei, die standortstypische Bodenfruchtbarkeit wiederherzustellen. Die zusätzlichen basischen Nährstoffe stärken die Vitalität der Bäume und erhöhen ihre Widerstandskraft gegenüber Trockenheit. Gesunde Waldböden sind eine Grundvoraussetzung für ein vielfältiges Bodenleben und stabile Wälder. Wichtig ist außerdem die Ökosystemleistung der Waldböden als Trinkwasserfilter. Rund 70 Prozent des Trinkwassers in Baden-Württemberg stammen aus bewaldeten Gebieten. Dabei ist für das Schutzgut Wasser ein gesunder Boden eine unerlässliche Voraussetzung.
Weil die regenerative Bodenschutzkalkung eine wichtige Maßnahme zum Erhalt gesunder Wälder darstellt, werden die Waldeigentümer im Privatwald mit 100 Prozent und im Kommunalwald mit 90 Prozent der Nettokosten aus Mitteln der Europäischen Union gefördert.
Hintergrund
Einer Bodenschutzkalkung geht ein fast zweijähriger Planungsprozess voraus. Grundlage ist ein bodenkundliches Gutachten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg. Zur Kalkung vorgesehen werden generell nur Böden, bei denen eine starke Versauerung festgestellt wurde (pH-Wert i. d. R. unter 4,2, Basensättigung unter 15 Prozent). Im Rahmen der Planung werden die Belange des Arten-, Natur- und Wasserschutzes berücksichtigt. Bereiche, in denen zum Beispiel kalkungssensible Arten und Biotope vorkommen – sogenannte Ausschlussflächen – werden von der Kalkung ausgenommen. Die Planung und Überwachung der Maßnahme erfolgt durch das Kreisforstamt Rhein-Neckar-Kreis in Abstimmung mit den Behörden für Natur-, Boden- und Wasserschutz.
Weitere Informationen
Detaillierte Informationen zum Thema regenerationsorientierte Bodenschutzkalkung auf der Internetseite der FVA unter: https://www.fva-bw.de/top-meta-navigation/fachabteilungen/boden-umwelt/ernaehrung-und-stoffhaushalt-von-waeldern/regenerationsorientierte-bodenschutzkalkung
Weitere Infos zum Thema Wald auf der Internetseite des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz unter www.mlr-bw.de/wald
