Fröhliches und friedliches Gemeindefest
Die Gemeindeverwaltung informiert
1260 Jahre reicht die Chronik Oftersheims zurück und am Ende ist das Heute, so Bürgermeister Pascal Seidel zur Eröffnung des großen Gemeindefestes, das Ergebnis all dieser Jahre, in denen Menschen hier Geschichte schrieben. Und wie bunt diese Geschichte ist, offenbarte der Dorfabend auf wundersame Weise. Auf den früheren amerikanischen Präsident Abraham Lincoln geht der Gedanke zurück: „Demokratie ist Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk“. Hier in Oftersheim lautet die Formel: Das Gemeindejubiläum ist ein Fest der Bürger, durch die Bürger und für die Bürger. Vom Programm auf der Bühne bis zur kompletten Kulinaria in fester und flüssiger Form, und das übrigens auf bestschmeckendem Niveau, lag und liegt hier fast alles in Oftersheimer Bürger-Hand. Das Areal rund um die evangelische Kirche, das Rathaus und die Kurpfalzhalle war eine einzige große Oftersheimer Wohlfühlzone, die den weltweiten Wirrwarr doch für ein paar Stunden in den Hintergrund treten ließ. Oftersheim ist keine Welt. Aber, so Seidel, „ein kleines Universum ist es“. Da ist es fast schade, dass niemand der Idee des Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin folgte, der bei einem Spiel der Nationalmannschaft in Kanada mit dem Cap „Switzerland great since 1291“ auftrat. In Oftersheim würde es „Oftersheim great since 766“ heißen. Und das mit vielen und guten Gründen.
Los ging es mit den „Heidelberger District Pipes and Drums“, die unüberhörbar den Beginn des Festes verkündeten. 21 Frauen und Männer mit Dudelsack und Trommeln, so Seidel, bereiteten dem Fest einen wahrhaft fulminanten Auftakt. In seiner Rede widmete sich der Bürgermeister zuerst der wahrlich beachtlichen Zahl der Ehrengäste. Neben dem Bürgermeister-Kollege aus Weinböhla, Siegfried Zenker, und Matthias Steffan aus Schwetzingen waren das die Landtagsangeordneten Andreas Sturm (CDU) und Dr. Andre Baumann (Grün) und der neue Landrat Manuel Just. Weiter ging es dann mit den Ehrenbürgern Helmut Baust, Walter Pfister und Roland Seidel sowie die Ehrenbriefinhaber Martin Joos, Herbert Gieser und Jens Rüttinger. Und dann wurden neben seinem Vorgänger im Amt Jens Geiß und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose, zahlreiche Ratsmitglieder, die Pfarrer Dr. Simon Layer (evangelisch) und Uwe Lüttinger (katholisch) sowie zahlreiche Leiter verschiedener Behörden und Institutionen. Und, das war ihm wichtig, alle Vereinsmitglieder, die in einem großen Kraftakt dieses Fest stemmen. Ein Grund, warum die Oftersheimer allen Grund hätten, stolz auf ihre Heimatgemeinde zu sein. Seidel schloss seine Rede mit der Hoffnung, dass dieses Fest die Menschen daran erinnere, „was uns verbindet“. „Die Liebe zu unserer Heimat, der respektvolle Umgang miteinander und die Bereitschaft, Verantwortung für unsere Gemeinschaft zu übernehmen.
Auch der Landrat betonte, dass die Oftersheimer allen Grund dazu hätten, mit Stolz zurückzuschauen und mit Zuversicht in die Zukunft. Seien es doch solche Feste, die den Zusammenhalt und damit den Gemeinsinn stärkten. Und nichts sei in diesen doch ziemlich rauen Zeiten wichtiger.
Und genau das nahmen die Oftersheimer ernst und lösten nach dem nicht ganz geglückten Fassbieranstich einen Fest-Reigen aus. Moderiert von der Presseverantwortlichen Petra Pfeifer-Wiest traten neben dem genialen Kurpfälzer Mundart Dialektiker Arnim Töpel verschiedene Vereine an und verwandelten das Areal in eine wirklich charmante Arena. Vom Ofteri, alias Thomas Widenka, dem Begründer des Ortes, dem Kollegium der Albert-Schweitzer-Kita, und den Zumba-Frauen sowie den Twirling-Tänzerinnen des TSV, über die Holy-Groovie-Ladies, die Rockabilly Jive Tänzer, die Kinder der SG-Oftersheim mit einem Fußballsketch und den Kerweborscht des Heimat- und Kulturkreises bis zu den Dancing Girls des Carneval-Vereins Grün-Weiß, dem Asylkreis und den beiden Chören Sängerbund Liederkranz und Germania zauberten die Oftersheimer sich selbst ein großes Fest. Die ZAP-Gang verwandelte anschließend das Areal bis weit nach Mitternacht zur ausgelassenen Partyzone.
Der nächste Tag stand dann ganz im Zeichen der Kinder. Den Kinder- und Jugendtag stemmten Vereine und Institutionen. Die Begeisterung war trotz der Hitze mit Händen zu greifen. Von Basteltischen über Angeln bis hin zu Hüpfburgen in der Ausführung XL, ein über zehn Meter hoher Kletterturm, Bastelspaß, Hand- und Fußball-Dart, Hindernissparcour per Rad und für Zweibeiner, ein Spiel namens „Swing em Off“ und natürlich ganz viel Wasser. Für letzteres sorgte vor allem die Freiwillige Feuerwehr. Allein am Samstag, so Bürgermeister Pascal Seidel, hätten deutlich über 450 Kinder mitgemacht.
Der Spaß mit dem Wasser fing aber schon früher an. Stellte die Gemeinde doch Sprühnebel-Zelte auf, deren kühlende Wirkung magnetische Kräfte entwickelte. Der Elternbeirat der Friedrich-Ebert-Schule sowie Eltern der drei Kindergärten Fohlenweide, Martin Luther und Peter-Gieser lockten Gäste ans Kuchenbuffet in den evangelischen Gemeindesaal.
Beim Wettmelken traten Seidel, der Leiter der Friedrich-Ebert-Schule, Sascha Barembruch, und Pfarrer Dr. Simon Layer gegeneinander an. Mit einem Liter nach 30 Sekunden zeigte der Bürgermeister hier das meiste Talent. Beim erneuten Wettmelken tags darauf unterlag der Rathauschef allerdings gegen einen Gast des Seniorencafé.
Auf der Kinder- und Jugendbühne im Schulhof moderierte derweil Sophia Schad das Nachmittagsprogramm mit Auftritten von Grundschulkindern und Kindern, die im TSV und beim C.C. Grün-Weiß aktiv sind. Außerdem trat ein Zauberer auf, der schweben ließ, und die Band Rock4Kids machte musikalisch Stimmung.
Am späten Samstagnachmittag gab der Chor „Da Capo“ in der evangelischen Kirche ein mehr als gut besuchtes Festkonzert. Danach traten die Band „Klangfabrik“ und dann die Schlager-Tornadoband „Papis Pumpels“ auf der großen Bühne an. Wieder galt, mehr Party geht eigentlich nicht. Die Jubel- und Mitsing-Quote war natürlich vor allem bei Letzteren groß.
Auch am letzten Tag war das Organisationsteam in voller Stärke vor Ort und bereitete den Teppich für das Finale, das mit einem ökumenischen Gottesdienst begann. Dabei umrissen die katholische Gemeindereferentin Ulrike Keßler und der Pfarrer der evangelischen Kirche Dr. Simon Layer vor knapp 150 Zuhörern mit wenigen Worten die Magie dieses Festes, das zeige, wie die Welt eben auch aussieht. Allzu oft schaue man nach Russland, China, den USA und den zahlreichen Konfliktherden und übersehe viel Eigentliches. So belegten die Menschen in Oftersheim doch gerade, dass das selbstlose Engagement für die Stadt und ihre Menschen, die Stadt zu einem besseren Ort mache.
Am Sonntag übernahm Leon Polifka die Moderation des Bühnenprogramms, als erstes sagte er den Gospel-Chor „Soul Notes“an. Die fünf Sängerinnen und Sänger, plus ein Schlagzeug und ein Keyboard, verwandelten das Areal in eine Quelle von ganz viel Gefühl und Freude. Es war ein Auftakt nach Maß, an den der Musikverein Oftersheim nahtlos anknüpfte. Und unter den großen Kastanien war es auch hinsichtlich der Temperaturen gut auszuhalten. Und hier findet sich wirklich das einzige Minus des ganzen Wochenendes. Es war heiß und es ist eine Hitze, die laut Forschern rund um die Professorin für Klimawissenschaften und Mitbegründerin der sogenannten Zuordnungsforschung (Attribution) des Imperial College in London, Friederike Otto, in Zukunft wohl öfter auftreten könnten. Da passte es gut, dass Bürgermeister Pascal Seidel und die kommunale Klimaschutzmanagerin Ulrike Krause die Sieger im Stadtradeln im Rahmen dieses Gemeindefestes ehrten. Gebe es in Sachen Mobilität doch kein umweltfreundlicheres Tun als mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Insgesamt beteiligten sich 13 Teams am Stadtradeln und bewältigten in den drei Wochen per Pedales zusammen 21 595 Kilometer, was dem Klima vier Tonnen CO2 ersparte. Den ersten Platz besetzte Martin Jost mit 1840 Kilometern. Es folgten Christian Laier mit 1058 Kilometern auf dem zweiten und Tobias Wizenmann mit 1007 Kilometern auf dem dritten Platz.
Drei Tage lang sorgte im Übrigen das Mittelalterlager im Gemeindepark bei klein wie groß für viel (Grusel-)Spaß. Vor allem die martialisch wirkenden Krieger mit ihren Langschwertern ließen keinen Zweifel daran, dass das damals schon eine eher raue Zeit war. Für schaudern sorgte der Henker, der aussah wie aus einem Gruselkabinett. Lustigerweise war er aber äußerst nett und zuvorkommend.
Wieder zurück auf der Bühne standen die beiden letzten Acts mit der „Marc Phillips Band“ und der „Cool Breeze Band“ an. Marc Phillips kennt man aus „Voice of Germany“ 2024, wo er es schaffte, dass sich alle Coaches umdrehten. Hier musste sich niemand umdrehen, waren doch alle komplett in Richtung der Band fixiert. Und auch die letzte Band des großen 1260-Jahr-Geburtstagsreigen, die Cool Breeze Band aus Walldorf-Wiesloch, zündete noch einmal ein kleines musikalisches Brillantfeuerwerk.
Es war der Schlusspunkt unter eine Geburtstagsfeier, die besser und schöner kaum hätte verlaufen können. Die Oftersheimer haben sich damit wohl selbst mit das größte Geschenk gemacht. Die Erinnerung an viele Momente bleibe und das Zusammengehörigkeitsgefühl ist ganz sicher nicht schwächer geworden. Bürgermeister einer Gemeinde mit so viel ehrenamtlich Engagierten zu sein, so Seidel, sei „eine große Ehre“. Und er dankte allen Beteiligten, u.a. den Vereinen, der Blaulichtfamilie und dem Bauhof.





















