Vom Schießplatz zur Naturschutzfläche

Gemeinsame Einweihung der neuen Informationstafeln (v. links): Jürgen Köhler (Leiter des Bundesforstbetriebes Rhein-Mosel), Dr. Anja Gross (Leiterin des Umweltbüros der US Army Garrison Rheinland-Pfalz), Johannes Haid (Umweltbüro US Army Garrison Rheinland-Pfalz), Susanne Barisch (Bauamtsleiterin der Gemeinde Oftersheim) und Alois Dötsch (Revierleiter im Bundesforstbetrieb Rhein-Mosel).

Abgeschlossenes Renaturierungsprojekt in Oftersheim

Die Renaturierung der ehemaligen Schießanlage “Rod and Gun Club” wurde erfolgreich abgeschlossen. Mit der feierlichen Einweihung der neuen Informationstafeln wurde das Gelände in der vergangenen Woche der Öffentlichkeit vorgestellt. Wo einst Handfeuerwaffen erprobt wurden, befindet sich nun eine wertfolle Fläche des Naturschutzes.

Das Gemeinschaftsprojekt des Geschäftsbereichs Bundesforst der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), der US-Army und des Staatlichen Hochbauamtes Heidelberg konzentrierte sich darauf, die einstige militärische Infrastruktur vollständig zurückzubauen und den Weg für ein artenreiches Offenland zu ebnen.

“Wo über Jahrzehnte militärischer Übungsbetrieb herrchte, erobert sich die natur die Fläche nun Schritt für Schritt zurück”, betonte Jürgen Köhler, Betriebsleiter des Bundesforstbetriebs Rhein-Mosel bei er Einweihung. Die erfolreiche Bodensanierung und der vollständige Rückzeigen, wie ehemals belaste Konversionsflächen nachhaltig dem Naturschutz zur verfügung gestellt warden können. Diesen Worten schloss sich Johannes Haid von der US-Army gerne an und betonte insbesondere die sehr gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten, die am Ende dieses Projekt erst zum Erfolgt geführt hat.

Von 1971 bis 2013 betrieben US-Streitkräfte auf dem Gelände eine Schießanlage für Handfeuerwaffen und kleinkalibrige Waffen. Der langjährige Schießbetrieb hinterließ deutliche Spuren im Boden, insbesondere Rückstände von Blei und chemischen Stoffen. Um Gefahren für Mensch und Umwelt nachhaltig auszuschließen, führte die BImA eine freiwillige Bodensanierung sowie eine umfassende Kampfmittelerkundung durch. Im Winter 2022/ 2023 begann unter Leitung des Staatlichen Hochbauamtes Heidelberg der vollständige Rückbau sämtlicher Gebäude, Schießstände, befestigten Plätze und Straßen. Die Finanzierung der Renaturierung erfolgte im Rahmen hoheitlicher Kompensationsverpflichtungen aus anderen militäreischen Bauvorhaben der US-Army in der Region durch Mittel der US-Streitkräfte.

Um die Entwicklung der besonderen Standorte optimal zu fördern, wurde im Anschluss an die Sanierung der nährstoffreiche Oberboden abgetragen und wertvolles, lokaltypisches Saatgut von umliegenden Spenderflächen ausgebracht. Die ehemalige Schießanlage stellt heute in Anlehnung an das Projekt “Lebensader Oberrhein -Naturvielfalt von nass bis trocken” einen wichtigen Teil im Umfeld der Oftersheimer Naturschutzgebiete dar.
 
Langfristig entstehen hier Sandmagerrasen und Besenheiden im Wechsel mit kleinen Gehölzgruppen. Diese offenen Landschaften bieten selten gewordenen und spezialisierten Tier- und Pflanzenarten der Oberrheinebene einen geschützen Rückzugsort.

Das dauerhafte Naturschutzmanagement wird vom BImA-Beschäftsbereich Bundesforst und dem Bundesforstbetrieb Rhein-Mosel übernommen. Durch eine regelmäßige Pflegemahd, gezieltes Entbuschen und das Freilegen sandiger Bereiche stellt der Bundesforst sicher, dass der offene Charakter der Fläche langfirstig erhalten bleibt und sich die Natur ungestört weiterentwickeln kann.

Die eingeweihten Informationstafeln bieten Besucherinnen und Besuchern ab sofort anschauliche Einblicke in die militärische Hirstorie sowie die ökologische Transformation des Standortes.

Auch die Gemeinde Oftersheim zog ein rundum positives Fazit. Die Bauamtsleiterin Susanne Barisch bedankte sich bei allen Beteiligten für die hervorragende Umsetzung der Maßnahme und zeigte sich begeistert von dem Ergebnis. Die neu entstandene Naturschutzfläche wird künftig als wichtiges Trittbrettbiotop die bereits auf der Gemarkung vorhandenen Schutzgebiete miteinander verbinden. Aus der einstigen Militärfläche ist so ein ökologisch hochwertiger Magerstandort geworden, der zahlreichen Pflanzen- und Tierarten einen neuen Lebensraum bietet. Damit sich dieses sensible Ökosystem im geschützten Umfeld entwickeln kann und keine Nährstoff- oder Düngereinträge erfolgen, darf die Fläche zum Schutz der Natur leider nicht betreten und auch ausdrücklich nicht für Spaziergänge mit Hunden genutzt werden.

Bildrechte: Sascha Möller/BImA