Borkenkäferlage: Nach dem extremen Hitzesommer droht 2027 wieder stärkerer Befall
Der Rhein-Neckar-Kreis informiert
Der Rhein-Neckar-Kreis blickt auf einen außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer zurück. In Baden-Württemberg war es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes mit einer Durchschnittstemperatur von 4,9 Grad Celsius über dem Referenzwert der Jahre 1961 bis 1990 der wärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die langanhaltende Hitze und Dürre haben die Wälder im ganzen Land und somit auch im hiesigen Landkreis stark belastet. Bei Laubbäumen zeigen sich seit Juli vielfach Kronenverfärbungen, bei Nadelbäumen kommt es zu deutlichem Nadelverlust. Eine starke Kronenverfärbung oder ein ausgeprägter Nadelverlust weisen bei Nadelbäumen in den meisten Fällen auf ein Absterben hin. „Die Auswirkungen dieser extremen Witterung werden die Bäume auch in den kommenden Jahren schwächen. Häufig führt erst das Zusammenwirken mehrerer Faktoren, etwa Hitze, Trockenheit und Schaderreger, zum Absterben eines Baumes“, erklärt Manfred Robens, Leiter des Kreisforstamtes.
Im Rhein-Neckar-Kreis waren in diesem Sommer vor allem Fichten und Lärchen vom Borkenkäfer betroffen. Kiefern und Douglasien wurden vor allem direkt durch Hitze und Trockenheit geschädigt. Auch wenn die Schadholzmengen bisher deutlich niedriger als in den Vorjahren sind, ist dies kein Grund zur Entwarnung. Nach extremen Jahren wie 2003 und 2018 stiegen die Schadholzmengen erst im Folgejahr deutlich an. Damit könnte der Borkenkäferbefall 2027 deutlich zunehmen. „Aufgrund der inzwischen gesunkenen Temperaturen gehen die Borkenkäfer in die Winterruhe. Frischbefall ist daher nur noch selten zu erwarten. Bereits angelegte Bruten können sich jedoch noch vollständig entwickeln. Befallene Bäume sollten möglichst frühzeitig entfernt werden, bevor sich die Rinde ablöst“, so Robens. Spätestens bis Februar sollten sie aus dem Wald gebracht sein, um der ungünstigen Ausgangslage für 2027 entgegenzuwirken. Andernfalls können die Borkenkäfer in den Boden gelangen und dort überwintern, wodurch das Risiko einer weiteren Ausbreitung in der kommenden Käfersaison steigt.
Zusätzlich empfiehlt das Kreisforstamt Waldbesitzenden, befallene Holzpolter zeitnah aus gefährdeten Waldbeständen abzufahren. Sturm- und Schneebruchholz sollte vor Beginn der nächsten Käfersaison unschädlich gemacht werden, etwa durch Entrindung oder Hackung und Abfuhr des Kronenmaterials. Jeder befallene Baum, der in diesem Winter nicht rechtzeitig erkannt und beseitigt wird, erschwert die Situation in der kommenden Saison und erhöht das Risiko einer Massenvermehrung. Sobald die Befallsdynamik an Fahrt aufgenommen hat, ist sie nur noch schwer aufzuhalten.
Bei Fragen oder Unsicherheiten stehen die zuständigen Forstrevierleitungen des Kreisforstamtes als Ansprechpartner zur Verfügung. Ansprechpartner und Kontakte sind unter www.rhein-neckar-kreis.de/kreisforstamt zu finden.