Wenn der Wald sein buntes Herbstkleid anlegt
Das Kreisforstamt informiert
Wenn die Tage kürzer werden, die Temperaturen sinken und morgens der Nebel über den Wiesen liegt, kündigt sich eine neue Jahreszeit an: der Herbst. Der Wald im Rhein-Neckar-Kreis wird bunt. Die Bäume färben ihre Blätter in leuchtenden Gelb-, Orange- und Rottönen, bevor sie schließlich zu Boden segeln. Ein raschelnder Laubteppich liefert die passende Geräuschkulisse für den Herbstspaziergang. Doch hinter dem farbenfrohen Schauspiel steckt mehr als nur herbstliche Dekoration. Der Laubabfall ist ein ausgeklügelter Überlebensmechanismus, erklärt das Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises.
Ein cleverer Trick für den Winter
Wenn die kalte Jahreszeit naht, stellen Laubgehölze die Produktion von Chlorophyll ein. Dieser grüne Farbstoff ermöglicht es Pflanzen, Fotosynthese zu betreiben – wird aber mit Eintritt des Herbstes nach und nach abgebaut. Durch den Chlorophyllabbau holen sich die Bäume wertvolle Nährstoffe wie beispielsweise Stickstoff und Magnesium aus den Blättern zurück und speichern sie in Stamm und Wurzeln – eine Art Vorratskammer für das nächste Frühjahr. Erst wenn das kräftige Grün verschwindet, kommen die anderen Farbstoffe zum Vorschein: Die gelben, roten bis blauvioletten Stoffe waren schon vorher im Blatt vorhanden, wurden aber über den Sommer vom Chlorophyll überdeckt. Letztendlich bildet sich am Blattstiel eine Trennzone und das Blatt fällt ab. Bäume verdunsten über die Blätter Wasser. Da aber die Wurzeln bei Kälte und gefrorenem Boden kaum noch Wasser aufnehmen können, ist dieser Vorgang des Blattabwurfes sinnvoll. Der Baum würde sonst Gefahr laufen, regelrecht zu verdursten.
Wenn der Baum die Notbremse zieht und der Herbst zu früh kommt
In diesem Jahr geriet dieser normale Ablauf vielerorts durcheinander. Auffällige Blattverfärbungen und vorzeitiger Laubfall zeichneten sich bereits ab Ende Juli ab. Häufig stecken Hitze und anhaltende Trockenheit dahinter. Doch nicht jeder vorzeitige Blattverlust läuft gleich ab. Manche Baumarten wie Eichen können über hormonelle Signale Alterungs- und Abbauprozesse im Blatt einleiten. Dieser Vorgang ist eine Art geordneter Rückzug: Der Baum reduziert seine Blattfläche, um Wasser zu sparen, und versucht gleichzeitig, möglichst viel von seinen wertvollen Vorräten zu retten und zurückzugewinnen.
Diese Nährstoffrückgewinnung gelingt allerdings bei Trockenstress nicht immer vollständig. Anders sieht es bei der sogenannten Blattverbrennung aus. Das Blattgewebe wird durch die Hitze und den Wassermangel so stark geschädigt, dass Zellen absterben. Das Blatt vertrocknet und stirbt ab, bevor der Baum den Abbau und die Rückverlagerung der Nährstoffe ausreichend abschließen kann. Die Blätter weisen häufig braune, trockene Ränder und Spitzen auf. Das Blatt fällt teilweise sogar noch grün zu Boden. Im Rhein-Neckar-Kreis ist hierbei die Rotbuche am häufigsten betroffen.
Ein Warnsignal für die Zukunft
„Ein früher Laubfall sowie frühzeitige Laubverfärbungen bedeuten nicht automatisch, dass ein Baum sterben wird“, erklärt Manfred Robens, Leiter des Kreisforstamts. „Wiederholen sich solche Hitze- und Trockenphasen jedoch, kann das Folgen haben: Die Bäume verlieren Nährstoffe, betreiben weniger Fotosynthese und bilden möglicherweise im Folgejahr weniger neue Blätter. Durch die Schwächung können sie auch anfälliger für weitere Schäden werden. Der Klimawandel macht solche Situationen also zu einer wachsenden Herausforderung, denn Hitze und Wassermangel setzen die Wälder zunehmend unter Druck.“
Die bunte Herbstfärbung ist also weit mehr als ein schöner Anblick: Sie zeigt, wie geschickt sich Laubbäume an den Wechsel der Jahreszeiten anpassen. Wenn die Blätter allerdings schon im Hochsommer fallen, lohnt sich ein genauer Blick auf die Ursache. Denn ein vorzeitiger Laubfall ist nicht automatisch ein Grund zur Sorge: Oft versucht der Baum, sich an schwierige Bedingungen anzupassen und Wasser zu sparen.
