Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Oftersheimer Dünen"

Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Oftersheimer Dünen befindet sich südöstlich von Oftersheim. Es umfasst den sich zwischen Baugebieten und der Autobahn A5 erstreckenden Dünenzug Richtung Sandhausen, unter Einbeziehung geringfügiger landwirtschaftlicher Nutzflächen. Im ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet befinden sich vier Naturschutzgebiete.
 

1. Naturschutzgebiet Friedenshöhe

Die Friedenshöhe grenzt unmittelbar an die Oftersheimer Bebauung im Norden und die B 291 im Westen. Das Naturschutzgebiet bezieht sich lediglich auf den östlichen Dünenabfall, der noch nicht vollständig intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Unterschiedliche Landnutzungen haben in diesem Bereich die großflächige Entwicklung von Wald verhindert. Immer wieder wurde Spargel-, Obst- oder Weinbau betrieben. Gelegentlich und nicht nach heutigen Ertragsmaßstäben ausgeübte Nutzung erlaubt den an Sand angepassten Überlebenskünstlern sich auszubreiten und Sandrasen zu bilden. Heute ist ihr Bestand auf wenige Restflächen zusammengeschmolzen, sie sind bundes- und landesweit stark gefährdet. Die Sandrasen der Friedenshöhe wachsen überall dort, wo der Sand heiß und trocken ist und sich bzgl. Nährstoffgehalt und Feuchtigkeit anspruchsvollere Pflanzen und Tiere noch nicht ausbreiten konnten. Der Bewuchs ist hier spärlich und nur nach genauem Hinsehen eröffnen sich dem Betrachter wahre Schönheiten, wie z.B. der Zwerg-Schneckenklee oder das Frühlings-Hungerblümchen. In den freien Sandflächen zwischen der Vegetation legen bodenbrütende Insekten ihre Nistanlagen an.
 

2. Naturschutzgebiet Dreieichenbuckel

Das Naturschutzgebiet umfasst lediglich einen schmalen Streifen der gesamten Binnendüne. Dieser ist durchweg mit Kiefern bewaldet. Interessant sind hierbei die lichten Kiefern-Bestände ohne Laubholzunterbau. Sie haben aufgrund der geringen Bedeckung der Baum- und Strauchschicht einen Charakter ähnlich eines flächigen Waldrandes. Hier wachsen viele Pflanzen, z.B. der Halbtrockenrasen oder der Sandmagerrasen. Auf dem mageren Waldboden, dem durch die Entnahme von Streu zusätzlich Nährstoffe entzogen wurden, konnten die Bäume nur Krüppelformen bilden. Ihr lückenhafter Bestand und die tief in das Waldesinnere eindringende Südwest- und Westsonne lassen viele Pflanzen und Tiere leben, die von Licht, Wärme und Trockenheit profitieren. Besonders im Hochsommer zeigen sich die warmtrockenen Staudensäume mit der Karthäuser-Nelke, der Ästigen Graslilie und dem Nickenden Leimkraut in voller Pracht. Auf dem Dreieichenbuckel sollen bis 1772 drei mächtige Eichen gestanden haben. Sie waren sog. Schicksalsbäume, d. h. hier wurden sowohl Gerichtsverhandlungen abgehalten als auch Urteilsvollstreckungen vollzogen. Die 1992 ausgewiesene Schutzgebietsfläche umfasst hier die bewaldete Dünenkuppe des Gemeindewaldes Distr. I Oberer Wald bis zu dem westlich angrenzenden Feldweg und dem östlich angrenzenden Waldweg.
 

3. Naturschutzgebiet Feldherrenhügel

Mit 121 m ist der Feldherrenhügel die höchste Düne Baden-Württembergs. Es ist eine vollständig bewaldete Düne mit charakteristischem Relief. Die lichten, alten Kiefernbestände tragen im Unterwuchs schöne Sandrasenreste, die noch heute einen Hinweis auf die früher intensivere Nutzung (Streu,Weide, Militär) geben. Die Düne war Teil der großen Rodungen der Jahre 1937/38, die der Anlage von Exerzierplätzen diente. Die Aufforstungen nach dem Zweiten Weltkrieg waren nicht überall erfolgreich: noch heute zeigen einzelne Blößen, dass der unwirtschaftliche Sand das Gedeihen eines gutwüchsigen Waldes einschränkt. So haben sich auch hier wärmeliebende und trockenheitsertragende Pflanzen und Tiere einstellen können und bilden blütenreiche Säume und Sandrasen. Auf der lichten Dünenkuppe zeugt ein seltener Obstbau von früheren Nutzungen: die Echte Mispel, deren kleine Früchte durchaus genießbar sind, pflanzte man früher auch in Oftersheim, vorwiegend in Weinbaugebieten an.
 

4. Naturschutzgebiet Golfplatz

Eine von Dünger und Schnitt geschützte Böschung am Golfplatz, die nicht bewaldet ist, beinhaltet den schönsten Sandrasen der gesamten Oftersheimer Dünen. Hier wachsen auf relativ kleiner Fläche der Sand-Thymian, der Weiße Sommerwurz, das Sand-Veilchen sowie das Kleine Habichtskraut. Zwischen kurzen Rasen, staudenreichen Säumen und Gebüschen finden sich auch offene Sandrasen, die ein Eldorado für Insekten bilden. So wurde hier 1989 auch die Furchen-Biene gefunden, die in Baden-Württemberg schon als ausgestorben eingestuft wurde. Seit der Ausweisung helfen die Golfplatznutzer diese seltenen Vorkommen zu schützen und haben den Beweis angetreten, das völlig anfangs unterschiedliche Interessen nebeneinander bestehen können und eine harmonisches Miteinander möglich ist.
 

Rechtliche Situation im Natur- und Landschaftsschutzgebiet

Bereits 1952 wurde das Landschaftsschutzgebiet Oftersheimer Dünen erstmals ausgewiesen. Vierzig Jahre später wurde die damalige Ausweisung überarbeitet und in der nun bestehenden Form gesichert. Zusätzlich zu dem bereits bestehenden Landschaftsschutzgebiet wurden die vier oben beschriebenen Naturschutzgebiete ausgewiesen. Insgesamt wurde eine Fläche von 221 ha unter Schutz gestellt. Die Naturschutzgebiete umfassen davon 48 ha. Durch die Ausweisung sollen die ausgeprägten Binnendünenzüge mit den angrenzenden Flugsandfeldern, die spezifische Sandrasenflora und -fauna sowie die Reste eines Kalksand-Kiefernwaldes und die an diese ganz speziellen Biotoptypen angepassten Tier- und Pflanzenarten erhalten und gefördert werden. Sandrasen und Binnendünen gehören zu den schutzwürdigsten und gefährdetsten Biotopen unseres Raumes. Durch die Intensivierung der Flächennutzungen wurden viele Pflanzen- und Tierarten zurückgedrängt oder verdrängt; die Dünenstrukturen blieben allerdings noch weitgehend erhalten. Die Schutzwürdigkeit speziell der Oftersheimer Dünen ist begründet durch das einzigartig ausgeprägte Binnendünenfeld mit der höchsten Binnendüne Baden-Württembergs, dem 121 m hohen Feldherrenhügel; die Vielzahl an kleinen, aber reichhaltigen Sandrasenresten, die in ein System von Wegrändern, Kiefernhainen, freien Kuppen, Böschungen und Brachen eingebunden sind sowie die zahlreichen seltenen und gefährdeten Pflanzen und Tiere, die hier in gefährdeten und geschützten Pflanzengesellschaften vorkommen. Aus diesem Grund sind in den Naturschutzgebieten alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.
 

So ist es beispielsweise im Naturschutzgebiet verboten:

Die Wege zu verlassen, Hunde frei laufen zu lassen, Pflanzen und Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstörenAbfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern, die Wege zu befahren; zulässig sind nur Fahrräder ohne Hilfsmotor und Krankenfahrstühle usw. Wenn sich alle Besucher der Schutzgebiete an die Vorgaben halten, wird es auch in vielen Jahren noch möglich sein, die dort lebenden Tiere und Pflanzen zu beobachten.
 

Dünenlehrpfad

Im Jahr 2004 wurde der Dünenlehrpfad eröffnet. Die Gemeinde Oftersheim hat den Dünenlehrpfad in Zusammenarbeit mit der Lokalen Agenda und der Bezirksstelle für Natur- und Landschaftspflege entwickelt. Es handelt sich hierbei um einen Rundweg, der an einigen der interessantesten Stellen der Oftersheimer Dünen vorbeiführt.

Weitere Informationen zum Dünenlehrpfad erhalten Sie im Umweltamt der Gemeinde Oftersheim oder online.

Dünenklassenzimmer

Im Jahr 2015 fiel der offizielle Startschuss für das Projekt "Dünenklassenzimmer", einer Kooperation zwischen dem Rotary Club Schwetzingen-Kurpfalz, der Theodor-Heuss-Schule (THS) und der Gemeinde. Auf dem gemeindeeigenen Grundstück unweit des Dünenlehrpfades können Schülerinnen und Schüler der örtlichen Schulen sowie der Kindergärten Natur vor der Haustür hautnah erleben.

Bei der Eröffnung im Mai 2016 beschrieb Bürgermeister Jens Geiß stolz, wie sich das verwilderte Gelände innerhalb kürzester Zeit zu einem stattlichen Vorzeigeprojekt mauserte. Viele Menschen trugen ihren Teil dazu bei, darunter die Rektorinnen und Lehrerinnen der örtlichen Schulen und Lehrer und Schüler von der Comeniusschule, außerdem noch Rathaus-Mitarbeiter und der Rotary-Club Schwetzingen mit seinem Präsidenten Professor Michael Hauth. Nicht zu vergessen die Unterstützug durch den NABU, den Förster Achim Freund und den Oftersheimer Zimmermann Michael Thomas.

Regelmäßig können Klassen aus den örtlichen Schulen sowie die Kindergärten, aber auch die Natur AG das Dünenklassenzimmer besuchen.

Weitere Informationen erhalten Sie im Umweltamt der Gemeinde Oftersheim.